Die Sache mit der Wahrheit
ARD 03.06.2017 / 13:00 Uhr
  • Regie: Sibylle Tafel

  • Buch: Sibylle Tafel und Claudia Matschulla

  • Musik: Martin Tingvall

  • Kamera: Thomas Etzold

  • Jahr: Deutschland 2014

Laufzeit: 89 Min. Ist sie Kellnerin, Stewardess oder vielleicht doch Managerin einer Rockband? Ihre Umwelt zu tuschen, ist fr Michelle zur zweiten Natur geworden. Selbst ihr Freund Bruno wei nicht, wer die Frau, die er liebt, wirklich ist. Als er ihr einen Heiratsantrag macht, droht Michelles Lgengebude zusammenzubrechen. In dieser Situation trifft sie berraschend ihre Freundin Doro wieder, mit der sie vor 20 Jahren zusammengewohnt hat. Doro ist das komplette Gegenteil der flatterhaften Michelle: Sie lebt mit ihrem Mann Matthias und Sohn Jakob einen sehr beschaulichen Alltag in einem kleinen Ort bei Mnchen. Whrend sich ihr Mann heimlich nach einem anderen Leben sehnt, hlt Doro an den gewohnten Ritualen fest, obwohl sie sprt, dass in ihrer scheinbar so heilen Welt nicht alles zum Besten steht. Spontan ldt Doro Michelle zu sich nach Hause ein. Die beiden Freundinnen ahnen nicht, dass die wenigen Tage, die sie zusammen verbringen, ihre Zukunft gravierend verndern wird. In diesem einfhlsamen Fernsehfilm werden zwei sehr unterschiedliche Menschen, die sich und ihrer Umwelt ihr Leben lang etwas vorgemacht haben, gezwungen, sich der Wahrheit zu stellen. * Michelle (Christiane Paul) fliegt als Stewardess durch die Welt. Glaubt zumindest ihr Freund Bruno (Hendrik Duryn). Doch in Wirklichkeit ist Michelle Bedienung in einem Mnchner Gasthaus. Die Wahrheit - die war fr Michelle schon immer so eine Sache. Schon in ihrer Kindheit. Da stand nichts zum Besten, und sie flchtete sich in ihre eigene Welt; eine Welt die aufregend und strahlend war und die sie immer weiter ausschmckte, um vor anderen zu glnzen und deren Zuneigung zu gewinnen. Dass sie selbst, ihr eigenes ungeschntes Ich, liebenswert ist - das konnte Michelle noch nie glauben. Und so ist es fr sie kein Grund zur Freude, sondern zur Panik, als Bruno mit ihr zusammenziehen will. Was soll Michelle nun tun? Ausgerechnet jetzt trifft sie zufllig - mitten im Trubel des Mnchner Feierabendverkehrs - auf ihre ehemalige WG-Genossin und Freundin Doro (Jule Ronstedt). Seit 20 Jahren haben sich die beiden nicht gesehen. Und wieder schlpft Michelle zwanghaft in das nchste abenteuerliche Leben und gibt sich als Managerin einer angesagten Band aus. Doro kann da nicht mithalten, denn als Friseurin mit Mann und Sohn in Wolfratshausen zu leben, ist eher langweilig, woraus Doro keinen Hehl macht. Umso mehr freut sie sich, dass ihre aufregende Freundin fr ein paar Tage mit ihr nach Wolfratshausen kommt und Abwechslung in ihren Alltagstrott bringt. Das tut auch wirklich not, denn Doros Leben hat durchaus etwas Zermrbendes: Ihr Mann, der Polizist Matthias (Johannes Zeiler), scheint sich immer weniger fr sie zu interessieren, fr ihren pubertierenden Sohn Jakob (Lorenz Weh) ist sie das personifizierte rote Tuch. Von der coolen Michelle, die zudem auch noch seine Lieblingsband managt, ist Jakob aber begeistert. Matthias hingegen konnte Michelle schon vor 20 Jahren nicht leiden und heute geht sie ihm noch mehr auf die Nerven, zumal er bald zu spren bekommt, dass Michelle eine sehr feine Beobachterin ist. Denn auch der geradlinige, direkte Matthias hat Geheimnisse, die er nicht einmal sich selbst gegenber eingestehen will. Anders als die ahnungslose Doro durchschaut Michelle schnell, dass Matthias etwas verbirgt. Doch kann sie ihre Freundin mit der Wahrheit konfrontieren? Michelle und Doro, die eigentlich nur ein paar heitere, unbeschwerte Tage miteinander verbringen wollten, finden sich pltzlich in einem veritablen Drama wieder, in dem sie sich mit Lebenslgen und falschen Erwartungen auseinandersetzen mssen. Was passiert, wenn alte Gewissheiten pltzlich ber den Haufen geworfen werden? In diesem sensiblen, mit Christiane Paul und Jule Ronstedt hervorragend besetzten Freundschaftsdrama geht es um die Konflikte des eigenen Selbst mit der Wahrheit, um Selbsttuschungen und Betrug gegenber sich selbst und anderen. Die beiden hchst unterschiedlichen Freundinnen befinden sich an einem Wendepunkt in ihrer beider Leben und mssen sich damit auseinandersetzen, was Toleranz im Kern bedeutet, sich selbst und anderen gegenber. Das Schicksal normaler, fehlbarer Menschen wird dem Zuschauer emotional nahegebracht, von daher fgt sich dieser von Sibylle Tafel inszenierte Film bestens in die ARD-Themenwoche.