Fremde Haut
ARD 12.01.2014 / 01:30 Uhr
  • Regie: Angelina Maccarone

  • Buch: Angelina Maccarone und Judith Kaufmann

  • Musik: Jakob Hansonis und Hartmut Ewert

  • Kamera: Judith Kaufmann

  • Jahr: D/A 2005

Laufzeit: 93 Min. Die junge iranische Dolmetscherin Fariba flieht nach Deutschland. Doch ihr Asylantrag wird abgewiesen, und so droht ihr die Abschiebung. In ihrem Heimatland erwartet sie die Todesstrafe, weil ihr lesbisches Verhältnis entdeckt wurde. Der Selbstmord eines iranischen Mitinsassen eröffnet ihr einen Ausweg aus der verzweifelten Situation: Fariba nimmt die Identität von Siamak Mustafai an und darf vorübergehend in der schwäbischen Provinz bleiben. Sie schlüpft in die Rolle eines Mannes und arbeitet illegal in einer Sauerkrautfabrik, um einen falschen Pass bezahlen zu können. Dort lernt sie Anne kennen, die Gefallen an ?dem seltsamen Fremden" findet. ?Fremde Haut" ist ein ergreifend inszeniertes politisches Drama, das eine etwas andere Liebesgeschichte erzählt und dabei ungeschminkt deutsche Befindlichkeiten aufzeigt. Beeindruckend gespielt von Jasmin Tabatabai. * Die nach Deutschland geflohene Fariba (Jasmin Tabatabai) traut sich nicht, den Grenzbeamten den wahren Grund ihrer Verfolgung zu nennen. Da sie nicht als politisch Verfolgte gilt, wird ihr Asylantrag abgewiesen, worauf sie rasch wieder in den Iran abgeschoben werden soll. Doch dort droht ihr die Todesstrafe, weil ihr lesbisches Verhältnis entdeckt wurde. Als ihr Landsmann Siamak Mustafai (Navíd Akhavan) im Flüchtlingsheim aus Verzweiflung Selbstmord begeht, schlüpft Fariba kurzerhand in seine Kleidung, trägt seine Brille und malt sich einen Bartschatten. Dank Siamaks Identität erhält sie eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung in der schwäbischen Provinz. Mit dem illegalen Job in einer Sauerkrautfabrik will sie das Geld für einen falschen Pass zusammenkratzen. Um ihre fragile Tarnung aufrechtzuerhalten, verfasst sie zum Beispiel unter Siamaks Namen Briefe an dessen Eltern, in denen sie die seltsamen deutschen Sitten beschreibt. Zudem muss die studierte Deutsch-Übersetzerin und Goethe-Kennerin vor den gemütlichen schwäbischen Krautbauern nicht nur ihre geschlechtliche Identität verstecken, sondern auch ihre Intellektualität. Ihre Maskerade ist ziemlich anstrengend - aber so überzeugend, dass nicht nur die Männer im Asylbewerberheim getäuscht werden. Beim Kohlstechen auf dem Feld beginnt gar ihre impulsive Kollegin Anne (Anneke Kim Sarnau) sich für den neuen, introvertierten Kollegen Siamak zu interessieren, der so anders ist als die übrigen Machos in der Fabrik. Fariba gerät in eine herzzerreißende Zwickmühle: Nicht nur beim Besuch eines Bordells, zu dem ?Siamak" von Annas eifersüchtigem Exfreund genötigt wird, droht ihre Identität aufzufliegen. Aufreibender noch als die Angst Faribas vor der Abschiebung ist die Frage, wann Anne entdeckt, in wen sie sich eigentlich verliebt hat - und ob sie ihren Gefühlen trauen wird. Regisseurin Angelina Maccarone (?Verfolgt", ?Vivere") vermeidet Betroffenheitsklischees und Gefühlsduselei und konzentriert sich stattdessen auf eine diskrete und genaue Schilderung des provinziellen Alltags, der den authentischen Rahmen für die zarte Liebesgeschichte bildet. Das unorthodoxe Drama über äußeres und inneres Exil besticht durch seinen leisen Humor, mit dem es die politischen und kulturellen Verwerfungen in Faribas Schicksal präzise aufzeigt. Jasmin Tabatabai, selbst Halb-Iranerin, verkörpert diesen mehrfach gebrochenen Charakter mit sparsamen Gesten und überwältigender Präsenz. Dabei geht das ebenso stille wie eindringliche Drama im Wortsinne unter die Haut.